Gesund Wohnen

Maßhalten ist das Gebot der Stunde, auch beim Wohnen. Sonst leidet die Gesundheit!

Wir haben eine schlechte Nachricht: Wohnen ist ungesund. Experten zufolge verbringen wir Mitteleuropäer etwa 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen. Wir lüften zu wenig, sitzen zu viel und bekommen nicht genug Sonne ins Gesicht. Die Folgen sind Vitamin-D Mangel, Übergewicht und wenn es richtig schlecht läuft, Asthmaerkrankungen. Laut einer Studie, die von einem Fensterhersteller in Auftrag gegeben wurde, unterschätzen die meisten Menschen sowohl die Zeit, die Sie in geschlossenen Räumen verbringen, als auch das Maß, in dem es Ihnen schadet. Der Fensterhersteller hat hierfür eine Lösung parat… richtig, größere Fenster. Wir haben auch eine Lösung für die „Generation Indoor“: Hintern hoch, rausgehen, durchatmen.


Die Indoor Generation

Allerdings haben wir begründete Zweifel daran, dass diese Strategie angenommen werden wird. Gerade die jugendlichen Vertreter der Generation Indoor halten Sie für total old school. Sie liegen auf Ihren Betten, starren in ihr Smartphone und wohnen, was das Zeug hält. Wenn man Sie anspricht, grunzen sie nur und starren weiter. Was uns zu einem weiteren Lösungsvorschlag anregt: Wir schaffen die Smartphones wieder ab. (Keine Angst, wir würden nicht das gesamte Internet abschalten wollen, allein der Gedanke, man müsste wieder im Reisezentrum der Deutschen Bahn anstehen, lässt einen erschaudern. Aber diese Aufmerksamkeits-, Energie- und Zeitstaubsauger müssen weg!)
Früher, bevor man ins Pupertätsgeschäft eincheckte, dachte man, selbiges hätte mit knallenden Türen, Schimpfwörtern und allgemeiner Rücksichtslosigkeit zu tun. Nun stellen wir fest: Das Business hat sich verändert, heutzutage provozieren Jugendliche ihre Eltern, indem sie eine Symbiose mit ihren mobilen Endgeräten eingehen, dicke Kopfhörer tragen und das Haus nicht mehr verlassen. Man kann das natürlich auch positiv sehen: Solange sie auf dem Bett liegen, kaufen sie keine Drogen, bauen keine Mopedunfälle und demolieren keine Spielplätze. Um in Kontakt mit ihnen zu treten sollte man sich allerdings auf Dauer ein Megafon anschaffen, weil der Versuch, mit dem eigenen Sprachrohr Kontakt aufzunehmen, zu sehr auf die Stimmbänder geht.


Palo Alto und die Waldorfschule

Womit hat eigentlich die Generation davor die Zeit genutzt? Wie auch immer, sie müssen es gründlich gemacht haben, heute ist jedenfalls keine mehr übrig davon. Warum auch? Man bekommt ja unentwegt Unterhaltung geboten. Und was machen diese Typen im Silicon Valley, die sich den lieben langen Tag Kniffe ausdenken, mit denen sie die Gräte noch unwiderstehlicher machen? Sie lassen ihre Kinder ausschließlich mit Holzklötzchen und Fingerpuppen spielen. In Palo Alto an der Waldorfschule, wo digitale Geräte selbstverständlich verpönt sind, arbeiten aber drei Viertel der Eltern in einem Tech-Unternehmen. Das ist, als würde der Schweineschlachtbaron aus Rheda-Wiedenbrück, Herr Tönnies, seinen Kindern nur vegane Kost erlauben.

Bewegung – frische Luft und rausgehen

Jeden Tag könnte man sich, angesichts des Indoortums, als hysterische Eltern aufführen. Kaum sieht man im Vorbeigehen das Starren, fangen die bösen Wörter schon wieder an, sich im Mund zu bilden. Wörter wie „rausgehen“, wie „schönes Wetter“, wie „Bewegung“ oder „frische Luft“, und dann muss man wieder die Lippen fest zusammenpressen, versuchen sie runterzuschlucken, aber irgendwann muss man Luft holen, und in dem Moment purzeln sie alle heraus.
Solche Auftritte haben dann natürlich nur einen Effekt: Man rückt auf der Peinlichkeitsskala von Generation Indoor direkt in den roten Bereich. Jetzt benötigen wir Hilfe. Aber nicht die Lösung mit den großen Fenstern!

Wir können es nur nehmen wie es ist, uns so gesund wie möglich zu Hause einzurichten und der Generation Indoor zeigen wie das so geht mit dem „rausgehen“.

Schadstoffe machen krank

„Man kann Menschen mit einer Wohnung genauso töten, wie mit einer Axt“, sagte der Berliner Milieu-Maler Heinrich Zille vor 100 Jahren. Eine zugespitzte Aussage – wie auch seinen Zeichnungen. Wie stark Häuser oder Wohnungen auf die Seele wirken, das merkt man langsam, oft unbewusst. Zu eng, dunkel, oft ohne Geborgenheit – das schleicht sich unbemerkt ins Gemüt, macht traurig oder aggressiv. Wie Schadstoffe wirken, die aus den Materialien kommen, merkt man schneller – am schlechten Allgemeinzustand, an Allergien oder Schlimmerem. Ärzte suchen oft lange, bis sie die wahre Ursache finden. Mit der richtigen Ausstattung verringern Sie die Belastung.


Kurztipps für ein gesundes Zuhause

Matratze Besonders ältere Modelle sind eine Brutstätte für Hausstaubmilben, Bakterien, Wanzen und Läuse. Oft entsteht durch die Feuchtigkeit und unzureichende Belüftung auch ein unsichtbarer Schimmel. Die feuerbeständige Beschichtung der Matratze kann zudem gesundheitsschädigendes Formaldehyd enthalten.
Tipp: Matratze regelmäßig wenden und einen Schutzbezug überziehen (monatlich bei 90 Grad waschen). Nach 8–10 Jahren Matratze gegen ein Modell aus Naturlatex und organischer Wolle ersetzen.

Heizkörper: Wird Wärme überwiegend durch Konvektion abgegeben, bildet sich eine Warmluft-Walze im Raum, die Staub mitnimmt. Tipp: Angenehmer empfinden wir Strahlungswärme zum Beispiel von Fußbodenheizung und Grundofen.

Wandfarbe

Viele Farben enthalten flüchtige organische Verbindungen (VOC) als Lösungsmittel. Gelangen diese in die Luft, können sie zu Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit führen.

Tipp:
Lüften Sie nach dem Streichen gut durch (erst nach ca. 3 Wochen wird keine Raumluftbelastung mehr durch VOC festgestellt). Noch besser – Benutzen Sie schadstofffreie Mineralfarben.

Elektrogeräte

Flammschutzmittel in Fernseher, PC und Radio verhindern, dass das Gerät bei einem Kurzschluss brennt. Doch einige Brandhemmer sollen krebserzeugend und schädlich für die Fortpflanzung sein. Seit 2008 ist der Einsatz des Mittels DecaBDE in Elektrogeräten zwar verboten, doch in älteren oder ausländischen Produkten ist es immer noch zu finden.
Tipp: Stellen Sie potenziell betroffene Geräte in einen großen Raum, den Sie oft lüften und tauschen Sie diese allmählich aus.


Polstermöbel

Aus manchen Sofas gasen Stoffe aus, die der Gesundheit schaden. Vorsicht vor Billigmöbeln aus China und Osteuropa, wo es keine vergleichbaren gesetzlichen Schadstoffbestimmungen gibt wie bei uns.
Tipp: Vertrauen Sie beim Kauf auf Ihre Nase und verzichten Sie auf weichen PVC-Kunststoff.


Duschvorhang

Duschvorhänge aus PVC gasen oftmals hochgiftige Chemikalien aus. Krebs sowie Schädigungen der Leber, Atemwege, des Nerven- und Fortpflanzungssystems können die Folgen sein.
Tipp: Es bleibt nur eins – entsorgen! Als Alternative bieten sich Duschvorhänge aus beschichteter Baumwolle oder eine Duschkabine aus Glas an.

Teppich

Bei der Herstellung von schmutzabweisenden Teppichen werden gerne per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) verwendet, die die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern beeinträchtigen können. Ein anderes beliebtes Einsatzgebiet von PFC: Regen- und Outdoorkleidung.

Tipp: Kaufen Sie natürliche Teppiche aus Wolle oder Sisal.

Reiniger

Viele reichern die Luft mit Lösemitteln und Konservierungsstoffen an, auch mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC: Volatile Organic Compounds). Sie heften sich an Feinstaubpartikel, diese sammeln sich an kalten Wänden: Schwarze Flecken können entstehen. Schleimhäute von Nase und Augen werden gereizt.
Tipp: Essigreiniger, natürliche Scheuermittel wie Schlämmkreide verwenden. Antibakterielle Mittel haben nichts im Haushalt verloren. Bevor man zu Chemie greift: Flecken beseitigen mit Wasser und Muskelkraft.


Spülmaschine

Duftstoffe in Reinigern sorgen für dicke Luft.
Tipp: Reiniger ohne Duftstoffe sind biologisch abbaubar und schonen die Schleimhäute.


Duftkerzen

Lassen Sie die Finger von sehr günstigen Duftkerzen. Das sind meist aus Petroleum (Erdöl) hergestellte Paraffinkerzen, die beim Brennen gesundheitsschädigende Substanzen freisetzen. Testen Sie auch, ob Sie den Duft vertragen, da viele Duftstoffe als stark allergen gelten.
Tipp: Achten Sie auf natürliche Inhaltsstoffe. Kerzen aus Bienen- und Sojawachs sind umweltfreundlicher.

So machen Sie Ihr Heim gesünder und es der Indoor Generation einfacher!